Arbeit und Fachkräfte in der Metropolregion

Hamburgs Wirtschaft hat sich in den vergangenen 25 Jahren immer stärker zu einer Dienstleistungsmetropole entwickelt. Klassische Arbeiterberufe werden rar in der Stadt. Stattdessen wächst der Bedarf an Fachkräften und Hochqualifizierten.

 

Während die Wirtschaftszweige des sekundären Sektors, d.h. Baugewerbe und Produzierendes Gewerbe, einen Rückgang bei den Erwerbstätigen zu verzeichnen hatten, wurde der tertiäre Sektor (vor allem Öffentliche und Sonstige Dienstleistungen sowie die  unternehmensbezogenen Dienstleistungen) durch einen enormen Beschäftigungsanstieg charakterisiert. Die Anzahl der Erwerbstätigen stieg im Zeitraum 1991 bis 2012 allein im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen um mehr als 60% an. Auch die öffentlichen Dienstleistungen konnten einen nennenswerten Zugewinn der Beschäftigung von mehr als 30% gegenüber dem Jahr 1991 verzeichnen.

Abbildung 13 verdeutlicht den Wandel zur dienstleistungsgeprägten Wirtschaftsstruktur in Hamburg anhand eines Vergleichs der Erwerbstätigenzahlen je Wirtschaftszweig in den Jahren 1991 und 2012.

Handel und Verkehr sowie die Dienstleistungssektoren konnten die Beschäftigung von 794 Tsd. Erwerbstätigen im Jahre 1991 auf über eine Million Erwerbstätige im Jahr 2012 deutlich steigern. 

 

Erwerbstätige (in Tausend) nach Wirtschaftszweigen

 

 

Höhere Produktivität in Industrie und Verkehr, mehr Teilzeitjobs bei Dienstleistungen

Setzt man die Beschäftigungsentwicklung in Beziehung zur Entwicklung der Bruttowertschöpfung, so fällt auf, dass beim Dienstleistungssektor (Unternehmensdienstleistungen sowie Öffentliche Dienstleistungen) der Anstieg der Produktion zwar mit einer steigenden Beschäftigung einherging. Da hier auch verstärkt Teilzeitjobs vergeben wurden, führte dies, wie in Abbildung 14 illustriert, zur sinkenden Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in diesen Sektoren. Sowohl das Produzierende Gewerbe als auch Handel und Verkehr zeigten hingegen einen Zuwachs in der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen. Während das Produzierende Gewerbe nur geringfügige Steigerungen in der realen Bruttowertschöpfung aufwies, waren es in diesem Sektor vor allem sinkende Erwerbstätigenzahlen, die zu einem Anstieg der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen beitrugen. Hingegen war der Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr durch enorme Zuwächse in der Bruttowertschöpfung bei nur moderatem Anstieg an Erwerbstätigen gekennzeichnet.

Dieser Befund legt den Schluss nahe, dass der Sektor des Produzierenden Gewerbes sowie der Sektor Handel und Verkehr durch starke Produktivitätsgewinne gekennzeichnet waren und dass Innovationen und Investitionen in diesen Sektoren arbeitssparend wirkten. Der arbeitssparende technische Fortschritt liefert somit neben der Verlagerung der Produktion in das Hamburger Umland einen weiteren Erklärungsansatz für die fallende Beschäftigung im Produzierenden Gewerbe in der Stadt Hamburg.

 

Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen (in Preisen von 2012)

Quellen: Statistikamt Nord (2014c); eigene Berechnungen.

 

 

Mehr Selbständige und Angestellte

Der wirtschaftliche Trend zu mehr Dienstleistungen zeigt sich ebenfalls beim Status der Beschäftigten. Abbildung 15 stellt dieses dar.

 

Erwerbstätigenanteile in Hamburg nach Status der Beschäftigung

Quellen: Statistikamt Nord (1990,2000,2014a); eigene Berechnungen. 

 

1987 waren rund 25% der Erwerbstätigen in Hamburg Arbeiter. In den letzten 25 Jahren ist ihr Anteil aber kontinuierlich zurückgegangen. Zuletzt lag der Anteil unter 10%. Dies ist vor allem ein Spiegelbild des Rückgangs der Beschäftigung im Industriesektor. Gleichzeitig hat das Wachstum des Dienstleistungssektors die Erwerbstätigkeit im Angestelltenverhältnis gefördert. Für die verbleibenden Gruppen der Beamten und der Selbständigen ist zu bemerken, dass der Anteil der Beamten kontinuierlich fiel, während der Anteil der Selbstständigen leicht zunahm.

 

 

Arbeitsplätze in der Zukunft

Zahlreiche Studien haben in den vergangenen Jahren aufgezeigt, dass kreative und hochqualifizierte Arbeitskräfte mobiler als geringer qualifizierte sind und sich sehr bewusst für ihren Arbeitsort entscheiden. Dabei kommt es ihnen neben attraktiven Arbeitsplätzen auch auf arbeitsnahe und bezahlbare Wohnungen, ein kulturell inspirierendes Umfeld und nicht zuletzt darauf an, ob auch der Partner einen Job findet und die Kinder gute Schulen besuchen können. 

Ganz sicher kann Hamburg eine vielfältige kulturelle Landschaft bieten. Ein wesentliches Erfolgsrezept für die Stadt Hamburg ist aber weiterhin der Wohnungsbau im Stadtgebiet. Hohe Mieten oder lange Pendelzeiten schmälern die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Hamburgs.

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist das Hamburger Bildungssystem. Jährlich ziehen zwischen 10 und 20 Tsd. junge Menschen, v.a. aus dem Umland nach Hamburg, um eine Lehre oder ein Studium zu beginnen. Dies eröffnet Hamburg die Chance, Lehrlinge und Studenten nach erfolgreichem Abschluss in der Stadt zu halten. 

 

  

 

 

Dieser Text ist ein Auszug aus der Studie:

L(i)ebenswertes Hamburg: Wohnen und arbeiten in Hamburg – heute und vor 25 Jahren

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