Handel 4.0

Die rasant fortschreitende Digitalisierung und -vernetzung der Wirtschaft wird den Handelsplatz Hamburg in den nächsten Jahren gravierend verändern. Während der Einzelhandel gute Chancen hat, gestärkt aus dem Strukturwandel hervorzugehen, drohen dem Großhandel harte Einschnitte. Gewinner ist die Versandlogistik, die aber ebenfalls vor großen Herausforderungen steht. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Studie „Handel 4.0 – Auswirkungen der Digitalisierung auf Handel und Versandlogistik in Hamburg“, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse (Haspa) erstellt hat.

 

Die deutlichsten Spuren hinterlässt der Strukturwandel im Großhandel. Dabei ist Hamburg mit seinen über 8.000 Betrieben und 55.000 Beschäftigten besonders stark betroffen. Zwischen 2008 und 2013 gingen hier bereits über 3.000 Arbeitsplätze verloren. Das entspricht einem Minus von 6,5%. Bundesweit waren es lediglich 1,1%. Da der Anteil des Online-Handels im mittelständisch geprägten Großhandel bislang nur eine untergeordnete Rolle spielte – 2012 wurden lediglich 3,5% des Umsatzes über das Internet abgewickelt – stehen die größten Veränderungen noch bevor.

Globale Player wie Ebay und Amazon sind auf dem Sprung, den deutschen Markt auch in diesem Segment aufzumischen. Wie im Online-Einzelhandel wird es dabei wohl schnell zu Marktkonzentrationen kommen.

 

Einzelhandel kann von neuer Handelsstruktur profitieren

Für den Hamburger Einzelhandel sehen die Autoren der Studie gute Chancen, sich auch auf den digitalen Märkten zu behaupten. Dabei kommt ihm zugute, dass sich der stationäre Einzelhandel zunehmend in den Innenstadtlagen von Großstädten konzentriert. Das zeigt sich auch in der Beschäftigung. Die Zahl der im Hamburger Einzelhandel Beschäftigten stieg zwischen 2008 und 2013 um stattliche 13,6 %. Bundesweit waren es nur 7,6%. Auch zukünftig wird sich die Entwicklung in Hamburg positiv vom Bundestrend abheben, denn Hamburg hat eine vergleichsweise hohe Kaufkraft und einen intensiven Einkaufstourismus. Voraussetzung ist eine intelligente Verzahnung der Vertriebskanäle, sowie neue Beratungs-, Service und Mehrwertleistungen in Abgrenzung zu reinen Online-Händlern.

 

Versandlogistik muss sich anpassen

Ein zentraler Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Handels sind innovative Logistikdienstleistungen. Der zunehmende Online-Handel erfordert deutliche Kapazitätserweiterungen und Optimierungen. Seit dem Jahr 2000 wächst der Bereich der Paket-, Kurier- und Expressdienste doppelt so schnell wie die Gesamtwirtschaft. Handel und Logistik müssen künftig noch stärker kooperieren, um die Anforderungen des Multikanalhandels und der Endverbraucher zu erfüllen. Wenn das Problem der ‚Letzten Meile‘ nicht schnell gelöst wird, drohen gravierende Verkehrsengpässe.

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