Bildung in Hamburg

1 Einleitung

Die Wirtschaft der Hansestadt Hamburg ist durch wissensintensive und hochtechnologische Industrien und Dienstleistungsbranchen geprägt. Nicht zuletzt deshalb ist Hamburg auf qualifizierte und gut ausgebildete Erwerbspersonen angewiesen. Neben der Anwerbung bzw. dem Zuzug qualifizierter Arbeitnehmer spielt die Bildung und Ausbildung der Menschen in der Hansestadt daher eine wichtige Rolle für die erfolgreiche Zukunft des Wirtschaftsstandortes.
Die vorliegende Studie wirft ein Licht auf aktuelle Trends und Strukturen im Hamburger Bildungssektor. Sie vergleicht die Entwicklungen in der Hansestadt mit denen anderer Bundesländer und beleuchtet die Erfolgsbilanz der Bildungsinstitutionen. Zudem werden aktuelle Trends bei der Bildung und Ausbildung mit demografischen Entwicklungen am Arbeitsmarkt verknüpft, um Fingerzeige für eventuelle künftige Engpässe am Hamburger Arbeitsmarkt zu erhalten.
Ein weiterer Themenschwerpunkt ist der Finanzbedarf des öffentlichen Bildungssystems. In der Studie werden hier zum einen die Ausgaben für einzelne Bereiche und Ausgabengruppen im Bildungssektor genauer betrachtet. Zum anderen werden die fiskalischen Erträge öffentlicher Bildungsausgaben für Hamburg berechnet.

2 Die Bildungsstruktur der Hamburger Beschäftigten

Abbildung 1 zeigt die Qualifikationsstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2015, die mit einem Anteil von 80 % die größte Gruppe unter den Erwerbstätigen stellt. Entsprechend der Hamburger Wirtschaftsstruktur sind mehr als 80 % der Beschäftigungsverhältnisse dem Dienstleistungsbereich zuzuordnen. Zudem dominieren in den meisten Berufsfeldern Beschäftigte mit anerkanntem Berufsabschluss. Akademiker sind gegenwärtig mit rund einem Fünftel aller Beschäftigten in der Minderheit. Jeder vierte Beschäftigte hat einen unbekannten oder gar keinen Abschluss. Schaut man sich die Berufsgruppen an, so fallen vor allem die relativ hohen Anteile ungelernter Beschäftigter oder solcher mit unbekanntem Berufsabschluss im Bereich der Landwirtschaft und des Gastgewerbes auf, wobei der Bereich der Landwirtschaft jedoch keine nennenswerte Rolle in der Hansestadt spielt. Umgekehrt ist bereits ein Großteil der Beschäftigten im Bereich Kommunikation und Information akademisch gebildet.

 

Abbildung 1: Bildungsstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) in Hamburg 2015

Die Werte in Klammern entsprechen dem Anteil der Gruppe an der Gesamtzahl der Beschäftigten.

Quelle: Statistikamt Nord (2016).



Starker Trend zur akademischen Ausbildung

Abbildung 2 zeigt, dass der Anteil der akademisch ausgebildeten Hamburger 2014 bei mehr als zwei Fünfteln liegt und in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten deutlich gestiegen ist. Hier spiegelt sich auch für Hamburg der auch bundesweit zu beobachtende Trend zu einer akademischen Ausbildung wider (vgl. hierzu Zika et al. (2015)). Der Unterschied zum oben genannten Anteil an den Beschäftigten resultiert im Wesentlichen aus zwei Faktoren: zum einen nehmen nicht alle Akademiker am Arbeitsmarktgeschehen teil, da sie entweder verrentet sind oder keine Arbeit anbieten. Zum anderen sind akademisch ausgebildete Bürger anderen Erwerbstätigengruppen, z.B. den Selbstständigen oder der Gruppe der Beamten zuzuordnen.


Abbildung 2: Anteile der Bevölkerung mit und ohne Studienabschluss sowie Promotion
in Hamburg in %, 2000 bis 2014

Quelle: Statistisches Bundesamt (2015a).



Ältere Belegschaften im Produzierenden Gewerbe, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen und Grundstücks- und Wohnungswesen

Ähnlich der Qualifikationsstruktur ist auch die Altersstruktur für die einzelnen Branchen sehr divers, so dass in unterschiedlichem Maße Beschäftigte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werden und eventuell durch neue Arbeits- bzw. Fachkräfte ersetzt werden müssen. Relativ alte Belegschaften sind vor allem in der Energie- und Wasserversorgung, im Verarbeitenden Gewerbe, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen und im Grundstücks- und Wohnungswesen zu finden. Deutlich jünger sind die Beschäftigten hingegen in der Landwirtschaft, im Gastgewerbe sowie bei den relativ hochqualifizierten Beschäftigten in Information und Kommunikation sowie in Wissenschaft und Technik.



Abbildung 3: Altersstruktur der Beschäftigten in einzelnen Wirtschaftszweigen in Hamburg 2015

Quellen: Statistikamt Nord (2016), Berechnungen des HWWI.

Dabei zeigt sich in der Qualifikationsstruktur nach Altersgruppen, dass bei den 25- bis 30-Jährigen der Anteil der akademisch Ausgebildeten höher ist als bei den 40-bis 45-Jährigen oder auch älteren Jahrgängen (vgl. Tabelle 1). Auch der Anteil ungelernter Beschäftigter ist bei den jüngeren Jahrgängen tendenziell geringer. Insgesamt zeigt sich somit, dass die jüngeren Jahrgänge zumeist eine höhere Ausbildung als ältere Jahrgänge aufweisen können. Da die Arbeitsmarktbeteiligung der über 55-Jährigen nicht nur relativ sondern auch in absoluten Zahlen geringer als die der 20- bis 30-Jährigen ist und der Trend zu einer höheren Bildung der Jüngeren fortbestehen dürfte (siehe nächster Abschnitt), kann für den Hamburger Arbeitsmarkt kein drohender größerer Engpass bei akademischen Fachkräften ermittelt werden. Freilich können sich für einzelne Branchen temporäre Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Fachkräften ergeben. Angesichts der demografischen Struktur der Beschäftigten könnte es eher zur Knappheit im Produzierenden Gewerbe und im Bau kommen, bei denen eher mittlere Qualifikationen eine größere Rolle spielen. Auch für die weite Teile Norddeutschlands und andere Regionen im Bundesgebiet werden Engpässe für mittlere Qualifikationen projiziert (vgl. Zika et al. (2015)).



Tabelle 1: Berufsabschlüsse nach Altersgruppen, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Hamburg 2015

Quelle: Statistikamt Nord (2016).

3 Bildungsausgaben und Bildungserfolg in Hamburg

Bildungsausgaben in Hamburg gemessen am BIP niedrig,…

Die öffentlichen Bildungsausgaben in Hamburg waren - gemessen am Bruttoinlandsprodukt  - 2012 die niedrigsten aller deutschen Bundesländer. Lediglich 3,2 % des Hamburger BIPs flossen in den öffentlichen Bildungssektor (vgl. Statistisches Bundesamt (2015)). In Stadtstaaten wie Bremen und Berlin lagen die Anteile um 1 bzw. 2 Prozentpunkte deutlich höher. Beim Spitzenreiter Thüringen flossen sogar fast 6 % des Bruttoinlandsprodukts in die Bildung der Bürger. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Hamburgs relative Bildungsausgaben aufgrund seiner Position als Stadtstaat mit erheblichen Einkommensabflüssen ins Umland und relativ geringen Zuweisungen im Bildungsbereich durch den Bund und die Bundesarbeitsagentur gering ausfallen. Die ostdeutschen Länder stehen angesichts einer relativ geringen Wirtschaftsleistung pro Kopf und größeren Bundeszuweisungen besser da.

… gemessen an den öffentlichen Ausgaben des Landes im oberen Mittelfeld

Um den genannten Verzerrungen Rechnung zu tragen, betrachtet Abbildung 4 die öffentlichen Bildungsausgaben des Landes als Anteil an den gesamten Ausgaben des Bundeslandes. Hierbei nimmt Hamburg mit rund 16 % eine Position in der oberen Hälfte der Bundesländer ein. Berlin gibt allerdings fast 2 Prozentpunkte seines Haushalts mehr für Bildung aus.
Zudem zeigt die Abbildung, dass Hamburg einen größeren Anteil des Bildungsetats als die meisten anderen Bundesländer dem Schulbereich und einen geringeren dem Hochschulbereich zukommen lässt. Hierbei spiegelt sich auch die jüngste Verteilung zusätzlicher Mittel für den Bildungsbereich wider, bei der die Schulen angesichts kleinerer Klassengrößen, der Inklusion und erweiterten Ganztagsangeboten höhere Zuwendungen – zumeist für höhere Personalausgaben –erhielten (vgl. hierzu Behörde für Schule und Berufsbildung (2014)).



Abbildung 4:  Öffentliche Ausgaben für Bildung in Relation zu den öffentlichen Gesamtausgaben des Landes 2014

Quellen: BMBF (2016); Berechnungen des HWWI.

 

3.1 Schulen

In Hamburg wurden mit dem Schulfrieden von 2010 Stadtteilschulen eingeführt, in denen die bisherigen Real- und Hauptschulen aufgegangen sind und in denen das Abitur nach 9 Jahren erworben werden kann. Betrachtet man den Output des Hamburger Schulsystems im Jahr 2015, kann Hamburg nach Hessen die zweithöchste Studienberechtigtenquote aller Bundesländer vorweisen: 62,5 % aller Schülerinnen und Schüler erwarben 2015 einen Abschluss, der ein Studium an einer Hochschule erlaubt. In Berlin sind es 56,6 %. Auch der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss ist mit 4,8 % im Jahr 2014 einer der geringsten in Deutschland und deutlich niedriger als in den anderen Stadtstaaten (Berlin 8,1 %, Bremen 5,9 %) (vgl. Statistisches Bundesamt (2016c)).

Hamburgs Schulen mit hoher Studienberechtigungs- und niedriger Schulabbruchquote

Bei den Bildungsausgaben für den Schulbereich ergibt sich für Hamburg ein differenziertes Bild. Die Bildungsausgaben umfassen dabei neben den Personal- und Sachausgaben auch Investitionsausgaben. So lag Hamburg bei den Bildungsausgaben 2013 mit 8000 Euro je Schülerin und Schüler mit an der Spitze (vgl. Tabelle 2) aller Bundesländer. Lediglich Thüringen wendete hier mehr Mittel auf. Bei den Bildungsausgaben dominierten vor allem die hohen Ausgaben im Bereich der allgemeinbildenden Schulen. Für das Jahr 2013 stechen in Hamburg hier insbesondere die Ausgaben für den Grundschulbereich im Vergleich zu anderen Bundesländern hervor (vgl. Tabelle 3). Zugleich gibt Tabelle 3 recht eindrucksvoll die Vielfalt der föderalen Bildungslandschaften wider.

Hohe Bildungsausgaben pro Schülerin und Schüler in Hamburg


Ein genauerer Blick zeigt auch, dass der Betreuungsschlüssel (Schüler-Lehrer-Relation) in Hamburg überdurchschnittlich ist und mit 14,8 Schülerinnen und Schülern je Lehrer an öffentlichen Schulen 2012 im oberen Mittelfeld der Bundesländer lag (vgl. Statistisches Bundesamt (2015)). Nur in Berlin und den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen standen pro Schülerin und Schüler mehr Lehrer zur Verfügung.


Tabelle 2: Bildungsausgaben je Schülerin und Schüler 2013

Quelle: Statistisches Bundesamt (2016a).

Aber niedrige Investitionsausgaben im Schulbereich

Andererseits sind die hamburgischen Investitionsausgaben im Bildungsbereich relativ niedrig. So lagen die kumulierten Investitionsausgaben von 2005 bis 2012 je Schüler/Schülerin deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts (vgl. Abbildung 5).
Daraus ergibt sich, dass die relativ hohen Bildungsausgaben Hamburgs zum einen aus dem höheren Betreuungsschlüssel, zum anderen - und vor allem - aber aus hohen Personal- und Sachausgaben je Schüler resultieren, wobei v.a. relativ hohe Personalkosten im Schulbereich die hohen Gesamtausgaben begründen dürften (vgl. Tabelle 2 und Tabelle 3).

Tabelle 3: Bildungsausgaben je Schülerin und Schüler 2013

Quelle: Statistisches Bundesamt (2016a).

Abbildung 5: Kumulierte Investitionsausgaben je Schülerin und Schüler an öffentlichen Schulen 2005 bis 2012 nach Bundesländern in Euro*

Im bundesdeutschen Durchschnitt betrugen die Investitionsausgaben 3200 Euro.

Quelle: Statistisches Bundesamt (2015b).

 

3.2 Ausbildung

Hamburgs Bedeutung als überregionaler Ausbildungsstandort zeigt sich u.a. darin, dass per Saldo jedes Jahr Menschen junge Menschen zuwandern, zumeist um in der Hansestadt eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen.

Ausbildungsverträge: Kaufmännische Berufe dominieren

Bei den Ausbildungsverhältnissen liegt der Schwerpunkt ganz deutlich im kaufmännischen Bereich. Im Jahr 2014 wurden hier 16.706 Ausbildungsverhältnisse gezählt. Stärkste Gruppe war der Handel mit fast 4.857 Ausbildungsverträgen. Die gewerblichen Ausbildungsverhältnisse wurden im gleichen Jahr mit insgesamt 5.551 beziffert. Hier dominierten Berufe der Metall- mit 2.501 und der Elektrotechnik mit 1.898 Ausbildungsverhältnissen (vgl. Handelskammer (2015)).
Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist der Hamburger Anteil der Auszubildenden im Bereich Industrie und Handel besonders hoch. Auch das Handwerk leistet mit einem Anteil von fast 20 % aller Auszubildenden einen wichtigen, wenngleich im bundesdeutschen Vergleich unterdurchschnittlichen Beitrag zur Qualifizierung junger Menschen (vgl. Abbildung 6). Darüber hinaus deuten die Ausbildungsstatistiken darauf hin, dass ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Auszubildenden in Hamburg die einmal begonnene Ausbildung erfolgreich abschließen kann. Der Anteil der Ausbildungsverhältnisse ohne Abschluss beträgt in Hamburg lediglich 7,1 %. Nur in Baden Württemberg ist die Erfolgsquote leicht höher. Die Zahl der Auszubildenden ohne Abschluss beträgt hier nur 5,9 % (vgl. Abbildung 6).
Die staatlichen Kosten der dualen Berufsausbildung beschränken sich im Wesentlichen auf die Kosten für die Teilzeitberufsschulen. Diese betrugen im Jahr 2013 in Hamburg pro Schülerin und Schüler 3.400 Euro (vgl. Tabelle 2 weiter oben). Hamburg liegt hier mit Brandenburg und Sachsen im oberen Bereich. Im Vergleich zu vollzeitschulischen Bildungsgängen ist die duale Berufsausbildung für den Staat jedoch relativ kostengünstig. Die Kosten werden hier zu einem wesentlichen Teil seitens der Ausbildungsbetriebe gestemmt. Sie werden gemeinhin aus der Differenz zwischen Bruttoausbildungskosten und Wertschöpfung pro Auszubildendem ermittelt. Nach der Kosten-Nutzen-Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB CBS) für das Jahr 2007 variieren diese Nettokosten beträchtlich je Sektor: Sie liegen pro Auszubildendem zum Zeitpunkt der Vertragslösung in Industrie und Handel sowie im öffentlichen Dienst bei bundesdurchschnittlich rund 7.700 Euro, im Handwerk bei rund 7.200 Euro, hingegen in der Landwirtschaft bei nur rund 3.800 Euro und in den freien Berufen bei rund 3.200 Euro (vgl. Lemmermann & Wenzelmann (2012)). Die meisten Ausbildungsverträge werden dabei gegen Ende des ersten Ausbildungsjahres gelöst. Im Jahr 2011 wurden in Hamburg insgesamt 28 % aller Ausbildungsverträge gelöst, womit Hamburg im Mittelfeld der Bundesländer liegt (Statistisches Bundesamt (2013)).



Abbildung 6: Abschlussprüfungen von Auszubildenden nach Ausbildungsbereichen

Quelle: Statistisches Bundesamt (2015c).

 

3.3 Hochschulen

Hamburg ist ein bedeutender Hochschulstandort, der 20 Hochschulen beherbergt. Zu den acht Hochschulen in Hamburgischer Trägerschaft gesellen sich neun in privater Trägerschaft, zwei Hochschulen und eine Berufsakademie in anderweitiger öffentlicher Trägerschaft. Hinzu kommen Niederlassungen von weiteren privaten Hochschulen in der Hansestadt, die ihre staatliche Anerkennungsprüfung durch ein anderes Bundesland durchgeführt haben. Knapp 71.0000 Studierende (WS 2014/2015) zählen die acht Hochschulen in Hamburger Trägerschaft. Die größte ist die Universität Hamburg mit über 41.000 Studierenden, gefolgt von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften HAW mit knapp 17.000 Studierenden. Die größte der drei Hochschulen in anderer Trägerschaft ist die Universität der Bundeswehr (Helmut-Schmidt-Universität) mit über 2.000 Studierenden. Privat getragene Hamburger Hochschulen sind beispielsweise die HFH Hamburger Fern-Hochschule mit knapp 11.000 Studierenden sowie die Bucerius Law School, Deutschlands erste private Hochschule für Rechtswissenschaft mit Promotions- und Habilitationsrecht. (vgl. Metropolregion Hamburg (2016))
Der Anteil der Hamburgerinnen und Hamburger, die an einer Hamburger Hochschule ein Studium beginnen und auch die Hochschulberechtigung in der Hansestadt erworben haben, lag im letzten Jahrzehnt bei etwa 60 %. Vor etwa 20 Jahren konnten noch knapp 80 % der Studienanfänger ein Hamburger Abitur vorweisen. Bei 40 % aller Studienanfänger an Hamburger Hochschulen wurde das Zeugnis der Hochschulreife nicht in der Hansestadt ausgestellt.
Während der Anteil derjenigen, die die Hochschulberechtigung im Ausland erworben haben, im Zeitablauf stark schwankt, hat sich der Anteil der Anfänger, die ihre Hochschulberechtigung in einem anderen Bundesland erworben haben, in den letzten 20 Jahren stetig erhöht, von 8,8 % in 1995 auf 23,4 % in 2014. Hamburg hat als Studienort für Abiturienten anderer Bundesländer im Zeitablauf so stark an Attraktivität gewonnen, dass derzeit jeder vierte Studienanfänger seine Abiturprüfung außerhalb Hamburgs abgelegt hat.

Fast die Hälfte aller Studierenden in Hamburg studieren an einer Fachhochschule

Rechnet man in Hamburg bei den Studierendenzahlen die 5.409 Lehramtsstudierenden an Universitäten heraus, ist etwa die Hälfte aller verbleibenden Studierenden an einer Universität, die andere Hälfte an einer Fachhochschule eingeschrieben. Die beliebtesten Studienfächer an Hamburger Hochschulen sind die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit insgesamt 45.406 Studierenden im Wintersemester 2015/2016. Bei den Ingenieurswissenschaften dominieren die Universitäten leicht, in der Mathematik und bei den Naturwissenschaften spielen die Fachhochschulen mit einem Anteil von knapp 5 % eine nur unbedeutende Rolle (vgl. Abbildung 7).



Abbildung 7: Studierende an Hamburger Hochschulen nach Fächergruppen und Hochschularten im Wintersemester 2015/2016

Quellen: Statistisches Bundesamt (2016d); Berechnungen HWWI.

 

Hohe Studienabbruchquote in Hamburg

Nicht jedes aufgenommene Studium führt zu einem erfolgreichen Abschluss. Wie Abbildung 8 zeigt, hat Hamburg besonders viele Abbrecher bzw. Umsattler im Bundesländervergleich. Von allen Studierenden, die 2006 ein Erststudium aufgenommen hatten, konnten 2014 nur 65 % ein Universitäts- oder Fachhochschuldiplom bzw. einen Bachelorabschluss aufweisen. Nur das Saarland kann noch niedrigere Erfolgsquoten verzeichnen. In Bayern, Brandenburg und Bremen lag die Erfolgsquote mit 84 % deutlich über dem Hamburger Wert.



Abbildung 8: Erfolgsquoten* nach Studienort, 2014

Quellen: Statistisches Bundesamt (2016b).


Schaut man auf die Absolventen der Hamburger Hochschulen in 2014, dargestellt in Abbildung 9, liegen dort korrespondierend zur Zahl der Studierenden die Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften auf dem 1. Rang. 35,5 % der 15.458 Absolventen waren dieser Fächergruppe zuzurechnen. Mehr als jeder sechste Absolvent bestand eine Prüfung der Erziehungswissenschaften, 13,5 % der Absolventen waren Ingenieure.



Abbildung 9: Anteile einzelner Fächergruppen an allen Absolventen Hamburger Hochschulen, 2014

Quellen: Statistisches Bundesamt (2015a).



Private Hochschulen gewinnen an Bedeutung

Insgesamt hat sich die Anzahl der Absolventen von knapp 8.300 in 2005 um 87 % auf fast 15.500 in 2014 erhöht. Neben den staatlichen Hochschulen spielen auch private Hochschulen eine zunehmend wichtigere Rolle in der Hamburger Hochschullandschaft. Der Anteil der privaten Hochschulen an den Absolventen insgesamt wuchs im gleichen Zeitraum von knapp 5 % auf gut 13 %.

Hohe Ausgaben je Studentin und Student, aber relativ geringe Betreuungsquote

 

Betrachtet man die Ausgaben für die öffentlichen Hochschulen, ergibt sich ein ähnliches Bild wie im Schulbereich. Auch bei den Hochschulen liegen die Ausgaben für Lehre und Forschung je Studierenden oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts. Im Jahr 2013 wendeten alle Hochschulen in Hamburg je Studierenden 7605 Euro auf. Damit liegt Hamburg deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 6293 Euro. Lediglich Niedersachsen und Thüringen hatten höhere Aufwendungen je Studierenden (vgl. Abbildung 10).
Die hohen laufenden Ausgaben für Forschung und Lehre schlagen sich jedoch nicht in einer entsprechend günstigen Betreuungsrelation nieder. Hamburg liegt hier mit 11,05 Studierenden je Lehrkraft (Vollzeitäquivalente) zwar in etwa auf deutschem Durchschnittsniveau, aber Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, beides Länder, in denen die laufenden Ausgaben für Forschung und Lehre je Studierenden um etwa 1000 Euro unter dem Hamburger Wert liegen, stehen bei der Betreuung mit 8 Studierenden je Lehrkraft deutlich besser da (vgl. Statistisches Bundesamt (2015)).



Abbildung 10: Laufende Ausgaben (Grundmittel) für Forschung und Lehre in Euro  je Studierenden an den Hochschulen insgesamt (ohne med. Einrichtungen/ Gesundheitswissenschaften und Verwaltungsfachhochschulen) , 2013

Quellen: Statistisches Bundesamt (2015b); HWWI.

4 Fiskalische Bildungserträge in Hamburg

Eine wichtige Frage im Zusammenhang mit den in Kapitel 2 dargestellten Ausgaben Hamburgs im Bildungsbereich ist, welche staatlichen Einnahmen aus den getätigten Bildungsinvestitionen erzielt werden. Lohnen sich die Ausgaben aus Sicht des Fiskus?1 


Hamburg: Ausbildungsim- und –export hat zwischen 1980 und 2010 zugenommen


Dabei ist zunächst festzuhalten, dass die Ausbildungsanstrengungen Hamburgs nicht nur dem eigenen Bundesland zugutekommen. Unter den in Hamburg Beschäftigten mit betrieblicher Ausbildung hat der Anteil derer mit Ausbildungsort Hamburg zwischen 1980 und 2010 abgenommen. Ein steigender Teil der Beschäftigten wird demnach andernorts ausgebildet – ein Befund, der auch bereits für die Studienanfänger/innen in Hamburg konstatiert wurde (vgl. oben Kapitel 2.3). Zugleich hat unter den in Hamburg betrieblich Ausgebildeten der Anteil derer, die ebenfalls in Hamburg beschäftigt sind, abgenommen, d.h., auch der „Ausbildungsexport“ hat zugenommen. Beide Sachverhalte sind sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu beobachten. Nicht nur profitiert also Hamburgs Wertschöpfung von den Bildungsinvestitionen anderer Metropolregionen, sondern die Migration der Arbeitskräfte aus Hamburg heraus führt umgekehrt auch dazu, dass ein nennenswerter Teil der Erträge der in Hamburg getätigten Investitionen in anderen Metropolregionen eingefahren wird.

Da sich die fiskalischen Erträge der Ausbildung aus den verdienten Einkommen der Beschäftigten rekrutieren, sind Erwerbsstatus und Einkommen der Beschäftigten, die in Hamburg ausgebildet wurden, von Interesse.
Im Folgenden werden Vollzeitbeschäftigte mit dualer Berufsausbildung und Ausbildungsort Hamburg betrachtet, die in Hamburg oder außerhalb arbeiten.2 Eine Beschäftigung in anderen Metropolregionen wird dabei über den Erwerbsverlauf wahrscheinlicher. Sind zu Erwerbsbeginn noch 94 % (91 %) der in Hamburg ausgebildeten Frauen (Männer) beschäftigt, trifft dies zehn Jahre später nur noch auf 88 % bzw. 87 % zu. Auch die Vollzeitbeschäftigung selbst wird für Männer über den Erwerbsverlauf immer wahrscheinlicher. Trifft dies ein Jahr nach Erwerbseintritt erst auf 47 % der Männer zu, gilt es zehn Jahre nach Erwerbseintritt für 73 % der Männer. Die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos oder aus sonstigen Gründen nicht beschäftigt zu sein, nimmt im Gegenzug ab. Bei Frauen gilt dieses Muster nur in den ersten Jahren; danach kommen Teilzeitphasen bzw. Erwerbsunterbrechungen häufiger vor. Schließlich steigen auch die Verdienste der Beschäftigten erwartungsgemäß im Erwerbsverlauf an.


Private Erträge betrieblicher Ausbildungen variieren stark nach Beruf und Geschlecht


Die aus einer betrieblichen Ausbildung erzielbaren privaten Einkommen sind in erheblichem Maße vom ausgeübten Beruf abhängig.3  Abbildung 11 stellt die über die Zeit akkumulierten Einkommen von Männern und Frauen in den jeweils fünf häufigsten Berufen dar. Männer sammeln dabei bis zum Jahr 15 höhere Einkommen an als Frauen. Dies ist auf die unterschiedlichen Aufstiegsperspektiven von Frauen und Männern in der betrieblichen Hierarchie zurückzuführen: So haben Frauen beispielsweise seltener Führungspositionen inne als Männer (Holst & Kirsch 2015).4  Im Vergleich der Berufe weisen die Verkaufsberufe bei beiden Geschlechtern die höchste Dynamik auf. Auch die relative Einkommensattraktivität der Lager- und Verkehrsberufe differiert nach Geschlecht. Während diese bei den Männern hier das „Schlusslicht“ bilden, schneiden bei den Frauen gastronomische Berufe noch schlechter ab. Dies zeigt, dass die Erträge betrieblicher Ausbildung nicht nur vom gewählten Beruf, sondern auch vom Geschlecht abhängen.



Abb. 11: Entwicklung der akkumulierten Einkommen* der Frauen bzw. Männer mit betrieblicher Ausbildung in Hamburg im Erwerbsverlauf**  in den fünf häufigsten*** Frauen- bzw. Männerberufen

*Jahr 0=Erwerbseintritt, **Tagesbruttoentgelte in Euro in Preisen von 2010 bei erster gültiger Lohnbeobachtung im jeweiligen Jahr nach Erwerbseintritt, *** Häufigkeit direkt nach der Ausbildung.

Quellen: SIAB; HWWI.


Die akkumulierten privaten Einkommen erlauben die Berechnung fiskalischer Bildungsrenditen, die über die Rentabilität der staatlichen5 Ausbildungsinvestition Aufschluss geben.6 Für die fiskalische Rendite sind die fiskalischen Erträge den fiskalischen Kosten der betreffenden Ausbildungsinvestition gegenüberzustellen. So fielen für eine stilisierte mittlere Bildungskarriere, bestehend aus sechs Jahren Realschule und drei Jahren dualer Ausbildung, im Jahr 2009 staatliche Bildungsausgaben in Höhe von bundesdurchschnittlich 93.100 Euro an.7 Lässt man andere positive Bildungseffekte außer Acht, die sich beispielsweise aus einer besseren Gesundheit und geringeren Kriminalitätsrate und dadurch eingesparten staatlichen Ausgaben ergeben, lassen sich die fiskalischen Erträge der getätigten Bildungsinvestitionen aus den von den Beschäftigten generierten Steuereinnahmen und Sozialabgaben ermitteln. Geht man auf Basis der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen davon aus, dass die pro Beschäftigtem generierte Wertschöpfung durchschnittlich das 1,6-Fache seines Bruttoeinkommens beträgt (Anger et al. 2010, S. 98) und legt man eine gesamtwirtschaftliche Steuerquote von 23,7 % sowie eine gesamtwirtschaftliche Abgabenquote von 15,5 % des Bruttoinlandsproduktes zugrunde (ebenda), ergibt sich beispielsweise aus einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro ein fiskalischer Ertrag von (20.000*1,6*0,392=) 12.544 Euro.

Auch der Staat profitiert: Bildungsrenditen unter den „Top Five“ der Berufe vor allem in Verkaufs- und Büroberufen hoch

Tabelle 4 stellt dar, welche fiskalischen Renditen sich auf Basis dieser Berechnungsmethodik für die in Hamburg beschäftigten Personen mittlerer Bildung in verschiedenen Berufen ergeben.



Tabelle 4: Akkumulierte Einkommen*, fiskalische Erträge und Renditen aus mittlerer Bildung nach Beruf und Geschlecht (in %)

* bis zum jeweiligen Jahr akkumulierte Tagesbruttoentgelte in Euro in Preisen von 2010.
Annahmen: Fiskalische Kosten eines standardisierten mittleren Bildungsverlaufs in Höhe von 93.100 Euro. Fiskalische Erträge basierend auf berufs- und geschlechtsspezifischen Einkommen in den ersten 15 Jahren nach Erwerbseinstieg. Nähere Angaben siehe Text.
Quellen: SIAB-R 7510 v1 SUF; HWWI.


Aufgrund der standardisierten Kosten stellt sich die Renditestruktur nach Beruf und Geschlecht analog zur weiter oben geschilderten Einkommensstruktur dar: Männer erzielen höhere Renditen als Frauen in demselben Beruf, und die Renditen streuen zudem stark zwischen den Berufen. So liegen sie in den von beiden Geschlechtern stark frequentierten Büro- und Verwaltungsberufen sowie den Verkaufsberufen höher als in den übrigen Berufen der Top Five.8

Eine Hochschulausbildung ist in den meisten Berufen mit höheren Einkommen verbunden


Zusätzlich spielt für die erzielten Einkommen auch der innerhalb des gewählten Berufs erreichte formale Bildungsabschluss eine Rolle. Um einen Eindruck von der Höhe der Bildungseffekte nach Berufen zu gewinnen, zeigt Abbildung 11 die in einzelnen Berufen von in Hamburg beschäftigten Frauen und Männern verdienten Einkommen im Alter von 30 Jahren, wobei zwischen Hochschul- und mittlerem Bildungsabschluss unterschieden wird.9 Es zeigt sich, dass zu diesem Zeitpunkt sowohl berufsübergreifend („Gesamt“) als auch in der Mehrzahl der einzelnen Berufssegmente Akademiker/innen höhere Einkommen als Personen mittlerer Bildung aufweisen.



Abb. 12: Frauen bzw. Männer mit Beschäftigung in Hamburg: Einkommen* im Alter 30

* Tagesbruttoentgelte in Euro in Preisen von 2010
Quellen: SIAB; HWWI.

 

Büro- und Verkaufsberufe: In den ersten 15 Erwerbsjahren sind fiskalische Renditen eines Hochschulstudiums geringer als bei betrieblicher Ausbildung


Doch gehen mit einem Studium auch höhere Kosten einher. Wie steht es um die staatliche Rendite eines akademischen Bildungsverlaufs? Hierfür sind wiederum Kosten und Erträge gegenüberzustellen. Auf der Kostenseite fielen für eine stilisierte Hochschulausbildung, bestehend aus 9 Jahren Gymnasium plus 5,7 Jahre Hochschulstudium (ohne Medizin), im Jahr 2009 staatliche Bildungsausgaben in Höhe von bundesdurchschnittlich 130.700 Euro an (Bildungsfinanzbericht 2012, S. 31). Auf der Einkommensseite werden im Folgenden wiederum die im Jahr 15 nach Erwerbseintritt aufgelaufenen Einkommen dargestellt. Zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt in der Erwerbskarriere sind die Fallzahlen der beobachteten Personen für die ohnehin zahlenmäßig kleinere Gruppe der Hochschulabsolventen in der Stichprobe bereits stark rückläufig. Daher kann der Erwerbsverlauf nicht über 15 Jahre hinaus beobachtet und auch bis zu diesem Zeitpunkt nur für die stark frequentierten Büro- und Verwaltungsberufe sowie die Verkaufsberufe dargestellt werden.
Tabelle 5 zeigt die akkumulierten Bruttoeinkommen, fiskalischen Erträge und die fiskalische Rendite, die sich geschlechtsspezifisch aus akademischen Ausbildungen in diesen Berufen in Hamburg ergeben. Nachrichtlich sind zum Vergleich auch die Renditen mittlerer Bildung in den genannten Berufen dargestellt.



Tabelle 5: Akkumulierte Einkommen, fiskalische Erträge und Renditen aus hoher Bildung für Verkaufs- und Büroberufe nach Geschlecht (in %)

* bis zum Jahr 15 nach Erwerbseintritt akkumulierte Tagesbruttoentgelte in Euro in Preisen von 2010. Annahmen: Fiskalische Kosten eines standardisierten Bildungsverlaufs mit hoher Bildung  in Höhe von 13ß.700 Euro. Fiskalische Erträge basierend auf berufs- und geschlechtsspezifischen Einkommen in den ersten 15 Jahren nach Erwerbseinstieg. Nähere Angaben siehe Text.
Quellen: SIAB-R 7510 v1 SUF; HWWI.

 

Es zeigt sich, dass in den ersten 15 Jahren nach Erwerbseintritt die fiskalischen Renditen aus einem akademischen Bildungsgang in beiden Berufen und für beide Geschlechter niedriger sind als bei einem Bildungsgang mit abgeschlossener Berufsausbildung. Zwar werden mit einem akademischen Abschluss höhere Einkommen erzielt, diesen stehen allerdings auch deutlich höhere Kosten gegenüber. Auch die OECD (2008) ermittelt für deutsche Akademikerinnen leicht niedrigere Renditen als für Frauen mittlerer Bildung (5,3 % gegenüber 5,6 % in 2004). Für deutsche Männer kommt die OECD-Studie berufsübergreifend hingegen auf deutlich höhere Renditen, sobald ein Hochschulabschluss vorliegt. Der Ergebnisunterschied ist u.a. auf die hier sehr eingeschränkte Berufsauswahl auf nur zwei Segmente zurückzuführen: Wie obige Abbildung 12 zeigt, liegt das Einkommen einiger Berufsgruppen deutlich über den Verkaufsberufen (Ärzt/innen, Beschäftigte in Elektro- und Metallberufen). Zudem wird hier nur der Einkommensverlauf bis zum Jahr 15 betrachtet. Der Einkommensvorteil der Akademiker/innen macht sich aber vollständig erst im weiteren Erwerbsverlauf bemerkbar, wenn sich die höheren Kosten der Hochschulausbildung amortisiert haben.10

 

5 Schlussfolgerungen

Hamburgs Bildungssektor weist Licht und Schatten auf. Im Schulbereich tätigt Hamburg je Schülerin und Schüler relativ hohe Ausgaben und kann mit einem relativ guten Betreuungsschlüssel aufwarten. Insbesondere der Grundschulbereich ist finanziell im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gut ausgestattet. Mit seinem hohen Anteil an Absolventen mit Hochschulzugangsberechtigung und dem niedrigen Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss gehörte Hamburg zuletzt zur Spitzengruppe der Bundesländer.
Auch im Hochschulbereich fallen die finanziellen Ausgaben je Studierenden relativ hoch aus. Allerdings ist die Betreuungsquote hier – anders als im Schulbereich – eher niedrig. Auffällig ist zudem der auch im Vergleich zu anderen Bundesländern hohe Anteil der Hamburger Studierenden, der ein Studium nicht erfolgreich abschließt. Angesichts der hieraus resultierenden Ineffizienzen sollten die Ursachen für Studienabbrüche oder Studienfachwechsel ermittelt und bekämpft werden.
Die relativ hohen Bildungsausgaben pro Schülerin und Schüler bzw. pro Studierenden resultieren im Wesentlichen aus relativ hohen Personalausgaben im Hamburger Bildungssystem. Die Investitionen im Bildungsbereich fallen hingegen gering aus. Hier rangiert Hamburg im Vergleich der Bundesländer unterhalb des Durchschnitts. Auch im Hochschulbereich besteht ein erheblicher Investitionsstau, der sich aus Sicht des Wissenschaftsrats sogar negativ auf die Akquise von Forschungsprojekten und die Anwerbung von Personal auswirkt (vgl. Wissenschaftsrat (2016)). Hierfür nötige finanzielle Mittel sollte die Hansestadt durch eine stärkere Priorisierung der Bildung im Haushalt generieren. Das bereits begonnene Sanierungsprogramm zahlreicher Universitätsgebäude ist daher richtungsweisend. Im Vergleich der Bundesländer sind die öffentlichen Bildungsabgaben in Relation zum Bruttoinlandsprodukt die niedrigsten in Deutschland, wenngleich Hamburgs Rolle als relativ einkommensstarker Stadtstaat hier eine prägende Rolle spielt. Aber auch bei den öffentlichen Ausgaben in Relation zu den öffentlichen Gesamtausgaben befindet sich Hamburg nur im oberen Mittelfeld. Der Anteil der Stadt Berlin liegt hier um fast 2 Prozentpunkte höher als der Hamburgs. Nach derzeitiger Planung werden die Mittel für die Hochschule in den kommenden Jahren ausgeweitet, wobei die Mittelzuwächse aber sehr wahrscheinlich geringer als das allgemeine Preiswachstum ausfallen werden, so dass real eher eine geringere Budgetierung der Hochschule die Folge sein dürfte.
Ausgaben für Bildung sind dabei durchaus lohnend für die Stadt Hamburg. Bei den Erträgen der Bildung zeigt sich, dass Bildung nicht nur den Arbeitnehmer in Form höherer Einkommen zugutekommt. Auch der Staat profitiert von höheren Einkommen über höhere Steuereinnahmen und Sozialbeiträge. Die vergleichsweise hohen Kosten der Hochschulbildung amortisieren sich allerdings erst in der längeren Frist. In den ersten 15 Erwerbsjahren ist eine akademische Ausbildung in Büro- bzw. Verkaufsberufen für den Staat weniger rentabel als ein mittlerer Bildungsabschluss.
Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen im Bildungsbereich Hamburgs im Zusammenhang mit den demografischen Strukturen und Trends am Arbeitsmarkt, deuten die aktuellen Daten nicht darauf hin, dass Hamburg in den kommenden Jahren mit einem Mangel an Hochqualifizierten zu rechnen hätte. Sowohl der Anteil der Schüler, die eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben, als auch der Anteil relativ junger und gut ausgebildeter hochqualifizierter Beschäftigter lassen derzeit keinen Engpass erkennen. Ein Engpass könnte sich, ganz ähnlich wie auch in anderen deutschen Regionen, bei nicht-studierten Fachkräften ergeben. Hier fallen vor allem das Verarbeitende Gewerbe, die Energie- und Wasserversorgung sowie das Baugewerbe auf, wo ein relativ hoher Anteil der Beschäftigten bereits heute in einem fortgeschrittenen Alter ist.

Endnoten

  1. Die nachfolgenden Auswertungen basieren auf Angaben zu regulär Vollzeitbeschäftigten auf Basis der faktisch anonymisierten Stichprobe der Integrierten Arbeitsmarktbiografien des IAB (Version 1975 – 2010).  Die Stichprobe umfasst die Jahrgänge 1947-1991, der Schwerpunkt liegt bei den Jahrgängen 1962-1982. Der Datensatz enthält Angaben zu Erwerbsverläufen einer 2 %-Stichprobe aus der Grundgesamtheit der Integrierten Erwerbsbiografien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für die Erhebungswellen 1975-2010.
  2. Eine entsprechende Stichprobeneinschränkung hätte für die weiteren Analysen zu geringe Fallzahlen ergeben.
  3. Für die Abgrenzung der Berufe wird die Klassifikation von Matthes (2008) verwendet, die zwischen 21 Berufssegmenten nach dem Kriterium fachlicher Ähnlichkeit der Berufe unterscheidet. Die sozialpflegerischen Berufe, die zu den am häufigsten von Frauen ausgeübten Berufen zählen, sind hier nicht aufgeführt, da sie überwiegend in vollschulischen Ausbildungsgängen ohne betrieblichen Anteil erlernt und daher mit den verwendeten Daten nicht beobachtet werden.
  4. Zusätzlich können berufsintern auch die Beschäftigungsorte der Frauen von denen der Männer abweichen, was hier nicht dargestellt wird.
  5. Grundsätzlich lassen sich auch private Renditen berechnen, die die Rentabilität der Investition aus der Sicht des bzw. der Beschäftigten darstellen. Gemäß dem Fokus dieser Studie wird im Folgenden aber auf fiskalische Renditen fokussiert.
  6. Konkret ist die Rendite einer Investition finanzmathematisch definiert als der interne Zinsfuß, zu dem der Kapitalbarwert der Investition Null ist. Der Barwert der Investitionserträge entspricht zu dieser Verzinsung gerade den barwertigen Investitionskosten.
  7. Quelle: Bildungsfinanzbericht 2012, S. 31. Für Hamburg liegen uns keine Zahlen zu Realschulen vor (vgl. etwa Statistisches Bundesamt 2016, Tab. 2; Hamburger Bildungsbericht 2014, S. 39ff; Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2015, Tab. B1.1a). Daher können die staatlichen Kosten für eine standardisierte Schulkarriere „Grundschule plus Realschule plus Lehre“ auf Hamburg-Ebene nicht verifiziert werden. Alternativ wäre es auf Hamburg-Ebene zwar möglich, die durchschnittlichen Kosten für allgemeinbildende Schulen pro Schülerin und Schüler anzusetzen (im Jahr 2013 waren dies 8.900 Euro pro Jahr; vgl. Statistisches Bundesamt 2016, Tab. 1), bei zehn Schuljahren also 89.000 Euro, und die durchschnittlichen Kosten von Teilzeitberufsschulen zu addieren (im Jahr 2013 waren dies 3.400 Euro pro Jahr; vgl. Statistisches Bundesamt 2016, Tab. 1), über drei Jahre Lehre also Kosten von 10.200 Euro. In der Summe ergäben sich in dieser Rechnung Kosten von 99.200 Euro für einen mittleren berufsbildenden Abschluss. Allerdings würde dieser Ansatz auch die Kosten für Gymnasien umfassen, die Kosten wären also überschätzt. Da diese ohnehin in den Jahren, in denen die hier betrachteten Beschäftigten zur Schule bzw. in die Lehre gingen, niedriger gelegen haben dürften, wird im Folgenden weiter der o.g. Ansatz von 93.100 Euro verwendet.
  8. Eine OECD-Studie ermittelt für 2004 für Personen mittlerer Bildung (ISCED 3 oder 4) staatliche Renditen für Frauen für Männer in Höhe von 5,6 % (Anger et al. 2010, S. 23). Anger et al. 2010 kommen basierend auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels 2007 geschlechtsübergreifend für Personen mit abgeschlossener Ausbildung auf eine Rendite von 8,3 %. Dabei werden allerdings nicht nur die fünf häufigsten, sondern alle Berufe einbezogen. Aufgrund diverser methodischer Unterschiede sind die ermittelten Renditen verschiedener Studien allerdings nur bedingt miteinander vergleichbar.
  9. Allerdings ist aus den verwendeten Daten – im Gegensatz zu den Personen mittlerer (dualer) Ausbildung – nicht ersichtlich, wo die Akademiker/innen ihre Hochschulausbildung absolviert haben.
  10. Hinzu kommt, dass die Kostenansätze in den Jahren, in denen die hier betrachteten Jahrgänge ihre Hochschulausbildung absolviert haben, vermutlich geringer waren. Aus den genannten drei Gründen wird die Rendite der Hochschulausbildung hier vermutlich etwas unterschätzt. Dem wirkt allerdings entgegen, dass die entgangenen fiskalischen Erträge aus nicht verdienten Einkommen während des Studiums (Opportunitätskosten) hier unberücksichtigt blieben; würde man sie berücksichtigen, würde die Rendite wiederum niedriger ausfallen.

Literatur und Quellen

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  • BMBF, Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016): www.datenportal.bmbf.de/portal/de/Tabelle-0.2.html
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  • Lemmermann, H.; Wenzelmann, F. (2012): Betriebliche Kosten von Vertragslösungen, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (Hrsg.): Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) 41 (2012), 5, S. 2-5.
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  • Metropolregion Hamburg (2016): Bildung Hamburg ; metropolregion.hamburg.de/hochschulen/272070/hochschulen-hamburg/ abgerufen am 26.05.2016.
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  • Statistisches Bundesamt (2016c): Statistik der allgemeinbildenden Schulen, Genesis-Online Datenbank.
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  • Zika, G., Maier, T., Helmrich, R., Hummel, M., Kalinowski, M., Hänisch, C., Wolter, M.I. und A. Mönnig (2015): Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen bis 2030 – Engpässe und Überhänge regional ungleich verteilt, IAB-Kurzbericht 9/2015, Nürnberg.

 

 

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